22.03.2011 1 Kommentar(e)

Industriefotografie ist Standortmarketing mit den Mitteln eines Fotografen

Wer bewegt Solingen? – Das Interview. Dieses Mal sprechen wir mit dem Industrie- und Werbefotografen Thomas Philippi.

Herr Philippi, Sie sind seit 1991 selbständiger Industrie- und Werbefotograf in Solingen. Wie ist es Ihnen gelungen sich über diese lange Zeit am Markt zu behaupten?

Ja, diese Frage ist gar nicht so einfach pauschal zu beantworten. Sicherlich haben mehrere Faktoren Einfluss darauf gehabt, dass es nun ein paar Jahre geworden sind. Wirklich bewusst habe ich jedoch an zwei Dingen besonders gearbeitet, weil sie mir einfach wichtig sind: Verlässlichkeit im Umgang mit den Mitmenschen und sich nicht damit zufrieden geben was man erreicht hat, insbesondere wenn es um die Qualität der eigenen Arbeiten geht. Ich entdecke diese Eigenschaften auch gerne bei anderen Menschen.

Sie zählen die Industriefotografie mit zu Ihrem wichtigsten Segment. Was verstehen Sie genau unter Industriefotografie?

Ich fühle mich diesem Thema in der Tat verbunden. Warum kann ich eigentlich gar nicht genau sagen. Wahrscheinlich aber deshalb, weil die Region sehr stark durch die Industrie geprägt ist. Industriefotografie ist für mich eine Art Standortentwicklung. Ich mag die Menschen. Es bewegt mich, wenn ich mich in komplizierte Produktionsabläufe eindenken kann und unter schwierigsten Bedingungen gute Aufnahmen realisiere, mit denen ein Unternehmen dann sich und seine Produkte besser vermarkten kann.
Die Industriefotografie ist ein Werkzeug für die Unternehmen und dient nicht dem Selbstzweck. Das muss man sich dabei immer vor Augen halten.

Industriefotos von Thomas Philippi
Faszinierend dynamisch. Thomas Philippi Fotografie setzt Momentaufnahmen von industriellen Prozessen in Szene. Industriefotografie aus Solingen.

Es ist von großem Vorteil sich sehr genau mit den technischen Gegebenheiten und Abläufen vor Ort am Set zu befassen. Ich lasse mir bei komplizierten Vorgängen, in der Regel während einer Vorabbesichtigung, die Aufgabe erläutern, sodass ich genau verstehe worauf es dem Auftraggeber ankommt. Meistens ist die Umsetzung der theoretischen Ideen, die ich gemeinsam mit den Geschäftsführern, dem Vertrieb oder der Marketingabteilung entwickle, in der Produktionshalle auf die Mithilfe der Menschen angewiesen, die unmittelbar dort arbeiten. Denn Sie sind es, die zum Teil ganze Produktionsbereiche kurzfristig vorbereiten und mir während des Fotoshootings mit Rat und Tat zur Seite stehen, damit die erarbeitete Botschaft auch rüberkommt.

In welchen Bereichen arbeiten Sie noch?

Neben der Industriefotografie und Produktfotografie bin ich oft in der Architekturfotografie aktiv. Außerdem fotografiere ich unheimlich gerne Nahrungsmittel, meist mit einem Foodstylisten, sofern es das Budget erlaubt. Für Privatleute mache ich gerne Portraits, Hochzeitsfotos oder tolle Bewerbungsfotos. Ein paar davon kann man auch in meinem Schaufenster sehen.

Sie bilden regelmäßig junge Fotografen aus. Welche Anforderungen stellen Sie an die Bewerber, die bei Ihnen eine Ausbildung absolvieren wollen?

Das ist einfach. Ich verlange das gleiche von meinen Auszubildenden, wie von mir selbst. Verlässlichkeit und den unbedingten Willen jeden Tag ein Stückchen besser zu werden. Nur so bringt es beiden Seiten Vorteile. Ich liebe es zu sehen, wenn ein junger Mensch beginnt die Leidenschaft für Fotografie zu entdecken. Das unterstütze ich mit aller Kraft. Er oder Sie muss natürlich nicht bereits am Anfang der Ausbildung ein Motiv perfekt ausleuchten können. Ich muss aber das unbedingte Interesse an der Fotografie und viel Leidenschaft erkennen.

Wie hat sich das Berufsbild des Fotografen über die Jahre verändert?

Als ich 1988 meine Ausbildung beendet habe und noch mit Polaroids die Lichtführung kontrollierte, sind einige Prozesse in meinem Traumberuf noch sehr mühsam gewesen. Ein zeitraubender und nerviger Teil meines Berufes bestand zum Beispiel darin abends im Eiltempo zum Fachlabor nach Düsseldorf zu hetzen, um dort Filme oder Abzüge abzuholen – zum Teil bis zu fünf mal pro Woche und manchmal auch zwei mal am Tag. Betriebswirtschaftlich und ökologisch war das der Wahnsinn. Das hat sich geändert, als wir Ende der 90er auf die Digitaltechnik umgestiegen sind. 

Sie sprechen die Digitalfotografie an. Wie hat sich dieser Umbruch auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Aus heutiger Sicht würde ich sagen es ist Segen und Fluch zugleich gewesen. Segen natürlich aus dem Grund, weil wir durch die Digitaltechnik sowohl in der Bildgestaltung als auch in der Bildmanipulation, die bis dato vorhandenen physikalischen Grenzen, überschreiten können. Mit der richtigen Kombination von Digitalrückteil und Software konnte man auf einmal in wenigen Minuten exakt die Einstellung des Lichtes überprüfen und bis ins kleinste Detail hinein zoomen. Das war eine Revolution. Keine ungenauen, unscharfen Polaroids mehr.

Produktfotos aus Solingen. Philippi Fotografie.
Digitale Produktfotografie aus Solingen von Thomas Philippi Fotografie.

Ein Fluch war die digitale Revolution aber auch. Viele Geschäftsführer haben damals spontan mit dem Erwerb einer digitalen Kamera die Profession gewechselt und sind über Nacht zum bergischen Starfotografen mutiert. Viele riefen jedoch nach kurzer Zeit wieder bei mir an, sinngemäß mit den Worten: „Herr Philippi, schießen Sie die Produktfotos, ich habe dieses Jahr keine Zeit dafür.“. Hab' ich natürlich gemacht. Kommentarlos.

Welche Technik verwenden Sie?

Um qualitativ hochwertige Digitalfotografie betreiben zu können, muss man sich schon mit modernster Digitaltechnik ausstatten. Wir verwenden Kleinbild, Vollformatsensorkameras, Mittelformat und Fachkameras mit hochauflösenden Objektiven und Digitalrückteilen. Dabei hat sich an der Bauweise der eigentlichen Kamera in den letzten 100 Jahren einiges geändert. Die Pixel-Magie entsteht erst im High-End Rückteil, dort wird die Datenflut entweder auf eine Karte oder direkt per USB/Firewire auf einen unserer Apple Rechner gespeichert, dass geht immer noch schneller als eine kabellose Datenübertragung.

Neben einer Blitzanlage mit einer Gesamtleistung von über 35.000 Ws können wir bis zu 25.000 Watt Filmlicht in unserem Studio und vor Ort nutzen. Das ist schon ordentlich.

Herr Philippi, wenn man Sie nun kennenlernen möchte, muss man sich dafür an eine bestimmte Werbeagentur wenden oder kann man Sie auch direkt anrufen?

Nein, natürlich kann man mich auch direkt anrufen und einen Termin vereinbaren. Ob aus der Industrie, aus dem produzierenden Gewerbe, Maschinen- und Anlagenbau oder aus der Konsumgüterindustrie; ich freue mich über jeden Anruf. Ich arbeite selbstverständlich auch gerne für Werbeagenturen oder Mediaagenturen und Kundenschutz ist dabei absolute Ehrensache. Da wird kein Kunde direkt kontaktiert, wenn ein Agenturkunde es nicht wünscht.